Fragwürdige Schulpolitik

Die städtische Schulpolitik in Heilbronn rückt wieder einmal in den Fokus.

32 Lehrkräfte der Albrecht-Dürer-Schule in Neckargartach wenden sich in einem Schreiben an das Staatliche Schulamt, sowie an die dafür zuständige Bürgermeisterin Christner sowie die Leitung des städtischen Schul- und Kulturamtes mit Frau Schüttler und Herrn Weimar. Angeschrieben wurden auch die Mitglieder des Gemeinderates wegen der Frage – wörtlich – „Wie geht es mit dem Standort der Werkrealschule bei uns in Neckargartach weiter?“
Die Gemeinderäte erhielten das auf mit 29.7.2020 datierten Schreiben allerdeings erst 18 Tage später am 17.8.2020 per Gemeinderatspost von der Stadtverwaltung zugestellt.

Im Brief wird betont, man sei der Meinung, „dass diese besondere Zeit gezeigt hat, wie wichtig es ist, mehrere Werkrealschulstandorte in Heilbronn zu erhalten. Unsere Kolleginnen vor Ort kennen die Familien und die Lebensumstände unserer Schüler am besten und konnten dadurch einen engen Kontakt zu den Familien pflegen. Keine Kinder wurden abgehängt oder nicht erreicht, wie es häufig in den Medien besorgt angemahnt wurde. Diese Einbindung gelingt hervorragend in kleinen, überschaubaren Einheiten. Unsere gebundene Ganztagesschule im Sekundarbereich hat das ermöglicht.

Weiter heißt es: „Für uns ist die angedachte Schließung eines funktionierenden Werkrealschulstandorts, der im Stadtteil verwurzelt und vernetzt ist und wertvolle pädagogische Arbeit leistet nicht nachvollziehbar. Außerdem ist zu beachten, dass ein erfahrenes Kollegium, das sich mit
den örtlichen Gegebenheiten und Unterstützungssystemen bestens auskennt, auseinander gerissen und in alle Winde zerstreut würde. Das wäre eine Verschwendung von enormen pädagogischen Ressourcen.

Den Unterzeichner dränge sich der Eindruck auf, dass es wieder einmal so zu sein scheint, dass eben die Schüler, über die man sich fürsorglich als „abgehängte Schüler“ in der Corona-Krise so große Sorgen gemacht hat, zu den Verlierern der kommunalen Bildungspolitik werden.
Da könnte noch so sehr auf das „Abstimrnungsverhalten der Eltern mit den Füßen“ hingewiesen werden und Zahlen zum einzig bestimmenden Faktor guter Pädagogik erhoben werden.

Nach Meinung der Lehrerschaft wäre die Stärkung der dezentralen Werkrealschulstandorte eine visionäre Bildungspolitik, die den Mut hat, sich an den pädagogischen und gesellschaftlich sinnvollen Sachverhalten zu orientieren. Man sei dabei an Nachhaltigkeit interessiert, weil Schulen Verlässlichkeit und Kontinuität brauchen, um vernünftig arbeiten zu können. Der letzte Schulentwicklungsplan hätte keine fünf Jahre Bestand gehabt

Große Schulstandorte mit vielen Schülern sind zwar aus finanzieller und organisatorischer Sicht wünschenswert, sie vertragen sich aber nicht mit Schülern, die es eh schon schwer haben im Leben. Unsere Schüler brauchen klare, einfache Regeln, kleinere Lernschritte und ein praxisorientiertes Schulkonzept, das auf Erziehungsarbeit und die Förderung der Ausbildungsreife ausgerichtet ist und das in einem wohnortnahen Umfeld. Sie brauchen eine intensive, persönliche Betreuung, da sie von zu Hause oft wenig Unterstützung bekommen können. Dies ist im gewohnten Umfeld, wo die Lehrer einen stärkeren Einblick in die familiären Verhältnisse haben, besser zu leisten„, heißt es weiter..

Durch die Entstehung größerer Standorte würden Brennpunkte geschaffen, deren sozialer Sprengstoff jetzt noch gar nicht absehbar ist.

Wohin, unter anderem, solche Entscheidungen führen können, sei vor kurzem in Stuttgart und Frankfurt eindrücklich zu beobachten gewesen. Dass Heilbronn von solchen Ereignissen bisher verschont blieb, habe sicherlich mit der guten Integrationsarbeit der Stadt und eben insbesondere auch mit der Integrationsarbeit in den Schulen zu tun.

Das Kollegium betont: „Hier leisten die Werkrealschulen an ihren Standorten wertvolle Arbeit. In den Vorbereitungsklassen werden seit Jahren Kinder mit den unterschiedlichsten kulturellen und sprachlichen Hintergründen durch engagierte Kollegen qualifiziert auf ihre Schullaufbahn in unserem Schulsystem vorbereitet, um es ihnen zu ermöglichen ein Teil unserer Gesellschaft zu werden. Auch bei diesen Kindern, die zum Teil schwer traumatisiert sind, spielt die räumliche Nähe zu ihrem Wohnort eine wichtige Rolle.

Die Unterstützer und das Kollegium der Albrecht Dürer Schule bitten deshalb aus den genannten Gründen um den Fortbestand des Werkrealschulstandortes in Neckargartach.

Dazu wird jetzt von der AfD-Fraktion durch Stadtrat Alfred Dagenbach< um Beantwortung folgender Fragen gebeten:

1. Welche Stellungnahme gibt die Stadtverwaltung dazu ab;
2. wie geht es mit dem Standort der Werkrealschule in Neckargartach weiter;
3.1 weshalb soll binnen 5 Jahren ein neuer Schulentwicklungsplan umgesetzt werden;
3.2 hatte dieser welche Defizite und wer hatte diesen damals vorgelegt;
4. ist Ziel der Maßnahmen, die Bildung auf das Niveau der ideologisch gewollten Gesamtschulen herunter zu nivellieren;
5. welche der genannten Erfahrungen gibt es in Stuttgart und Frankfurt und wie werden ähnliche durch eine solche Schulpolitik gemachten Fehler in Heilbronn vermieden;
6. sind Lehrkräfte an unseren Schulen beliebig verschiebbares „lebendes Inventar“;
7. in welcher Weise wird für Vermeidung der im Schreiben angesprochenen Probleme gesorgt werden?

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